Österreichreise 2023 - Teil 1: Über den Semmering bis an die Donau
Ganz so lange und weit weg konnten wir heuer nicht. Also entschieden wir uns für eine Österreichreise mit ein paar wenigen Fixpunkten und ließen den Rest einfach auf uns zukommen.
Was als kleine Runde begann, entwickelte sich schließlich zu einer schönen, recht unförmigen Schleife durch Niederösterreich, Oberösterreich und die Steiermark. Oft entlang von Flüssen, durch abwechslungsreiche Landschaften und vorbei an vielen kleinen und großen Sehenswürdigkeiten.
Manchmal entstehen die schönsten Reisen genau dann, wenn nicht jeder Kilometer vorher festgelegt ist ♥
Tag 1: Auf den Semmering (12. Juli 2023)
Nach einem schnellen Frühstück brachte uns der Zug nach Bruck an der Mur. Von dort aus ging es auf unseren Rädern weiter Richtung Semmering. Und damit direkt hinein in unser nächstes Radabenteuer.
Die ersten Kilometer führten uns auf dem Mürztalradweg gemütlich dahin. Landschaftlich zählt dieser Abschnitt nicht zu unseren persönlichen Favoriten unter den steirischen Radwegen. Das Mürztal ist über weite Strecken von der Schnellstraße und großen Industriebetrieben geprägt. Trotzdem rollten wir entspannt dahin, immerhin wurde die Vorfreude auf die bevorstehende Reise und die kommenden Etappen mit jedem Kilometer größer.
Als das Thermometer auf ca. 38°C kletterte, suchten wir in Mürzzuschlag einen Platz für unsere Mittagspause und wurden vor der Pfarrkirche fündig. Auf einer schattigen Bank ließen wir uns Salate aus dem Supermarkt schmecken, füllten nochmals unsere Trinkflaschen und dann ging es wieder weiter.
Ab Mürzzuschlag verabschiedeten wir uns vom Mürztalradweg und folgten nun dem Semmeringradweg stetig bergauf Richtung Semmering. Überraschend schnell erreichten wir die Passhöhe. Fast noch überraschender war allerdings, dass wir dort trocken ankamen. Zwar zogen immer wieder dichte Wolken über uns hinweg, doch der Regen blieb bis zum Abend aus.
In der Nacht zogen dann doch noch einige Gewitter über uns. Was uns aber herzlich egal war, immerhin hatten wir ein Zimmer im Renona Rehabilitations-Kurhotel. Unter der Woche beherbergt das Haus vor allem Gäste im Rahmen einer Reha, bietet aber zusätzlich einige Zimmer für Urlaubsgäste an.
Vom Hotel aus genossen wir einen schönen Blick hinunter ins Tal und hinüber zum geschichtsträchtigen Ort Semmering.
Mit der Eröffnung der Semmeringbahn im Jahr 1854 entwickelte sich der Ort zu einem der beliebtesten Sommerfrischeorte der Monarchie. Wohlhabende Bürgerinnen und Bürger aus der Stadt verbrachten hier die warme Jahreszeit in der frischen Bergluft. Von dieser glanzvollen Zeit zeugen bis heute die prachtvollen, aber teilweise leerstehenden Hotels und Villen aus dem späten 19. Jahrhundert, die dem Ort bis heute seinen besonderen Charme verleihen.
Tour 2: Vom Semmering ins Biedermeiertal (13. Juli 2023)
Bei unserer letzten Radreise über den Semmering folgten wir der Straße durch den Ort und fuhren anschließend hinunter in den Unteren Adlitzgraben. Diesmal wollten wir eine andere Strecke ausprobieren und blieben auf der Semmering-Passstraße.
Vor der Abfahrt legten wir noch einen kurzen Stopp beim Denkmal an der Passhöhe ein. Es erinnert an den Bau der Semmering-Passstraße unter Kaiser Karl VI. und an seinen Besuch im Jahr 1728.
Die Abfahrt über die historische Semmering-Passstraße führt am Wallfahrtsort Maria Schutz vorbei. Die barocke Basilika genießt zwar nicht die Bekanntheit von Mariazell, zählt aber dennoch zu den bedeutendsten Wallfahrtsstätten Österreichs.
Für uns ist Maria Schutz aber vor allem mit persönlichen Erinnerungen verbunden. Im Sommer 2003 waren wir - damals recht frisch zusammen - drei Tage lang zu Fuß von Graz hierher unterwegs. Über die Erlebnisse von damals müssen wir heute noch lachen. Und vielleicht war das damals eine erste kleine Kostprobe dessen, was uns auf vielen gemeinsamen Touren noch erwarten sollte ♥
Von Maria Schutz ging es hinunter nach Schottwien. Der kleine Ort am Fuß des Semmerings blickt auf eine lange Geschichte als wichtiger Verkehrspunkt über den Pass zurück. Ein Denkmal erinnert an Carl Ritter von Ghega, den Ingenieur der Semmeringbahn. Diese weltweit erste Hochgebirgsbahn wurde zwischen 1848 und 1854 errichtet und stellte damals eine technische Meisterleistung dar.
Spannend ist, dass sich die Geschichte dieser Verkehrsverbindung gerade wieder verändert. Seit 2012 wird mit dem Semmering-Basistunnel an einer neuen Bahnverbindung gebaut: in ein paar Jahren werden die Züge nicht mehr über die historische Strecke, sondern durch einen Tunnel unter dem Semmering sausen. Dadurch wird die Verbindung zwischen Graz und Wien deutlich schneller, es bleibt aber abzuwarten, welche Bedeutung die alte Strecke damit bekommen wird.
Wir hoffen jedenfalls, dass die historische Strecke nicht in Vergessenheit gerät, immerhin bietet sie eine der schönsten Kulturlandschaften Österreichs. Und wenn man sich als Genussradler etwas wünschen dürfte: wäre diese Strecke nicht ein ganz wundervoller Bahntrassenradweg? 😉
Wir radelten weiter nach Gloggnitz und folgten dann dem Schwarzatalradweg. Ein Stück weit begleiteten wir damit der Schwarza, bevor wir die offiziellen Radwege verließen und auf kleineren Nebenwegen und teilweise querfeldein nach Markt Piesting radelten.
In Markt Piesting bogen wir ins Piestingtal ab und folgten damit dem Piestingtal-Radweg weiter. Das Tal wird als Biedermeiertal bezeichnet, weil seine Landschaft zahlreiche Künstler der Biedermeierzeit zu ihren Werken inspirierte. Der bekannteste von ihnen war Ferdinand Raimund, der viele Jahre in Gutenstein verbrachte und dort auch seine letzte Ruhestätte fand. An den berühmten Dichter erinnern heute mehrere Museen und Denkmäler im Tal.
Vom Ort Gutenstein ging es weiter durch die Haselrastklamm: eine kleine, enge Nebenstraße führte durch die Felsen hindurch. Ein wunderschöner und sehenswerter Abschnitt!
Sobald sich die Felsen der Haselrastklamm wieder öffnen, wartet eine ganz besondere "Siedlung". Auf einer ruhigen Lichtung stehen mehrere kleine Häuser der Firma Wohnwagon, die sich auf die Entwicklung und den Bau nachhaltiger Tiny Homes spezialisiert hat. Für zwei Nächte hatten wir das kleinste Modell "Ronja" gebucht und tauschten unser Zelt gegen ein gemütliches Zuhause auf 18 Quadratmetern.
Tag 3: Probewohnen & Werkstattführung (14. Juli 2023)
Zwei Tage radeln und schon der erste Ruhetag... Aus gutem Grund, immerhin hatten wir für diesen Tag eine Werkstattführung bei der Firma Wohnwagon geplant, um zu erfahren, wie diese besonderen Häuschen gebaut werden. Den restlichen Tag genossen wir das Probewohnen auf kleinem Raum. Und wir müssen zugeben: ein kleines bisschen haben wir uns in "unsere" Ronja verliebt ♥
Tag 4: Vom Piestingtal nach St. Pölten (15. Juli 2023)
Auch wenn wir uns in unserer Ronja sehr wohlgefühlt hatten, hieß es nun wieder: Taschen packen, aufs Rad steigen und weiterfahren.
Wir folgten weiter dem Piestingtal-Radweg. Gleich in der Früh warteten die meisten Höhenmeter des Tages auf uns: es ging hinauf zur Haselrast, dem höchsten Punkt der Etappe und dem Übergang zwischen Piestingtal und Traisental. In Rohr im Gebirge endete der Radweg und so mussten wir auf die Gutensteiner Straße wechseln. Bis zu dem Ort mit dem lustigen Namen "Kalte Kuchl" hieß es noch einmal ordentlich strampeln, danach ging es den restlichen Tag nur noch bergab.
Auf der Hohenberger Straße ging es hinunter zur Gölsen, der wir bis zum Zusammenfluss mit der Traisen folgten. Dort wechselten wir auf den Traisental-Radweg und radelten weiter bis nach St. Pölten.
Normalerweise mögen wir Etappen, bei denen es zwischendurch immer wieder etwas zu strampeln und zu entdecken gibt. An diesem Tag freuten wir uns aber mehr über die flussnahe Strecke und viele bergab führende Kilometer. Immerhin zeigte das Thermometer erstmals 40°C.
Bei einem Spaziergang durch die Altstadt mit ihren schönen Gassen und Plätzen sowie über den Rathausplatz mit seinen historischen Gebäuden waren wir schnell von der Stadt begeistert.
Direkt im Zentrum ließen wir den Abend im KHIM Asia Cuisine Restaurant ausklingen und genossen dort eines der besten Abendessen unserer gesamten Reise.
Tag 5: Von St. Pölten an die Donau (16. Juli 2023)
Bis zu unserem nächsten Ziel Krems an der Donau waren es nur noch wenige Kilometer. Also entschieden wir uns für einen kleinen Umweg über das Stift Göttweig.
Auf der Fladnitztal-Radroute ging es - flach, flacher, am flachsten - weiter. Für einen kleinen Schmunzler sorgte die Fahrt durch die Ortschaft Fugging. Der Name erinnerte uns nämlich an den gleichnamigen Ort in Oberösterreich, der bis 2021 noch Fucking hieß. Nachdem der Name weltweit für Schmunzler sorgte und die Ortstafel immer wieder verschwunden war, entschied man sich dort schließlich für eine Umbenennung 😉
Eine ganz besondere Sehenswürdigkeit erlebten wir danach direkt AM Radweg. Mitten auf dem Schotterweg hatte sich eine Ringelnatter eingerollt und ließ sich von uns kaum stören. Und dem Knödel in ihrem Körper nach zu urteilen, hatte sie gerade erst zu Mittag gegessen 😉
Nach dieser tierischen Begegnung ging es bergauf: hinauf zum Benediktinerstift Göttweig. Das imposante Kloster wurde 1083 gegründet und nach einem Brand im Jahr 1718 als barocke Anlage neu errichtet. Nicht nur die beeindruckende Anlage selbst ist einen Besuch wert, sondern vor allem der Blick über das Donautal.
Dabei mussten wir allerdings feststellen: ein Geheimtipp ist das nicht! Nur mit viel Glück bekamen wir einen freien Tisch für unsere wohlverdiente Belohnung in Form von Eiskaffee.
Vom Stiftsberg runter und wieder weiter auf der Fladnitztal-Radroute, bis wir schließlich vor dem längsten Fluss Österreichs standen: der Donau. Schon mehrmals waren wir an ihren Ufern unterwegs und wer unseren Blog kennt, weiß: der Donauradweg ist nicht unbedingt unser Lieblingsradweg. Uns fehlt auf den langen, flachen Abschnitten manchmal einfach ein wenig die Abwechslung... Trotzdem ist das Ankommen an der Donau immer wieder etwas Besonderes. Vor allem, wenn man aus eigener Kraft hierher angereist ist und auf die zurückgelegte Strecke zurückblickt.
Wir radelten noch bis Krems an der Donau und checkten im Hotel Steigenberger Krems ein. Die nächsten beiden Tage blieben unsere Fahrräder schon wieder stehen, immerhin war es wieder einmal Zeit für unser Merkur-Gesundheitsprogramm.
Tage 6 und 7: Gesundheitstage (17.-18. Juli 2023)
Nach der Anreise an die Donau standen nun zwei Tage mit Gesundheitsprogramm am Plan. Neben Untersuchungen und Massagen blieb aber noch genügend Zeit zum Entspannen und Genießen: gemütliche Stunden am Hotelpool, gutes Essen und das eine oder andere Gläschen Wein aus den umliegenden Weingärten.
Alles in allem ein paar wunderbare Tage zum Kraft sammeln für die zweite Hälfte unserer diesjährigen Österreichreise ♥
weiter zu Teil 2: Durch Hintergebirge und Salzatal nach Mariazell
Weitere Fotos:



















































































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