Österreichrunde 2023 - Teil 2: Durch Hintergebirge und Salzatal nach Mariazell

Mit dem Besuch bei Wohnwagon und den Gesundheitstagen in Krems waren die großen Fixpunkte unserer Reise erledigt. Ab jetzt ging es ohne festen Plan weiter: jeden Abend setzten wir uns zusammen, studierten Karten und entschieden spontan, wohin uns der Weg am nächsten Tag führen sollte. Daraus entstanden einige der schönsten Etappen unserer diesjährigen Reise.


Tag 8: An der blauen Donau (19. Juli 2023)

Auch wenn der Donauradweg nicht zu unseren absoluten Favoriten zählt, gehören ein paar Kilometer entlang der Donau bei einer Österreichreise irgendwie dazu. Also rollten wir am Morgen gemütlich flussaufwärts am Ufer dahin. 



Wir folgten dem rechten Donauufer flussaufwärts und radelten damit durch das Herz der Wachau. Vorbei an Obstgärten und den charakteristischen Weinterrassen, für die die Region weit über ihre Grenzen bekannt ist.

Auch an Dürnstein - einer unserer Lieblingsortschaften entlang der Donau - kamen wir vorbei. Diesmal allerdings auf der gegenüberliegenden Flussseite. Bei unserer Donaureise im Jahr 2017 hatten wir dort übernachtet und den malerischen Ort mit seiner Burgruine ausgiebig erkundet.



Die nächste Sehenswürdigkeit war dann eine ganz besondere. Direkt am Donauufer bei St. Lorenz ragt eine riesige Betonnase aus der Erde. Das Kunstwerk der Künstlergruppe Gelatin soll den Eindruck erwecken, als wäre hier ein Riese bis auf die Nase im Boden vergraben. Das Beste daran: die Nasenlöcher sind so groß, dass man durch eines hinein- und durch das andere wieder hinausspazieren kann. Natürlich mussten wir das ausprobieren. Wann hat man schließlich schon einmal die Gelegenheit, wie auf dem folgenden Bild aus einem Nasenloch herauszuschauen? 



Wir folgten der Donau noch ein Stück flussaufwärts. Begleitet von einer ordentlichen Portion Gegenwind - aber das gehört an der Donau auch irgendwie dazu 😉



Bei Melk bogen wir auf den Melktal-Radweg ab. Damit hieß es Abschied nehmen: von der Donau, vom flachen Flussradweg und - zu unserer großen Freude - auch vom kräftigen Gegenwind. Kaum hatten wir das Donautal hinter uns gelassen, wurde die Landschaft schnell hügeliger.



Oben am Anzenberg fanden wir einen ganz besonderen Übernachtungsplatz: einen Zeltplatz beim Bauernhof Gutsjahr´s Hofschmankerl. Mit einer herrlichen Aussicht über das Mostviertel und ausgezeichnetem Abendessen: Wildkäsekrainer und frisches Bauernbrot ♥



Tag 9: Von Anzenberg zum Lunzer See (20. Juli 2023) 

Nachdem wir die einzigen Campinggäste am Hof gewesen waren, verlief die Nacht herrlich ruhig. Und auch wenn wir gerne noch länger geblieben wären, ging es doch wieder weiter. Unsere Route: quer durch das Mostviertel bis zum Lunzer See.



Aber zuerst ließen wir uns bei Gutsjahr´s Hofschmankerl noch mit einem herrlichen Frühstück verwöhnen. 



Querfeldein ging es weiter zum Erlauftal-Radweg, dem wir den restlichen Tag bis nach Lunz am See folgten. Insgesamt ein gemütlicher Radweg, der fast durchgehend auf eigenen Wegen verläuft. Nur einen kurzen Abschnitt von etwa zwei Kilometern führt die Route über eine Bundesstraße.



Auch die Steigungen blieben meist gemütlich. Erst über den Pfaffenschlag wurde es etwas anstrengender. Dafür wurden wir wieder einmal mit einer sehenswerten Landschaft belohnt. Die Strecke führte hier entlang der historischen Wiener Hochquellenleitung.



Am Campingplatz Ötscherland bekamen wir mit Ach und Krach noch ein kleines Plätzchen für unser Zelt. 

Spätestens hier beschlossen wir: in den nächsten Tagen doch lieber wieder vorher bei den Campingplätzen anrufen.
Ein etwas leidiges Thema, mit dem wir uns erst in den letzten Jahren beschäftigen mussten. Bei unseren ersten Radreisen mit Zelt war es völlig unkompliziert - auf noch so kleinen Campingplätzen fand sich immer irgendwo ein Platz für unser Mini-Zelt. Inzwischen hat sich das leider etwas geändert und spontane Ankünfte sind nicht immer willkommen... Schade, denn dadurch geht ein großes Stück Spontanität verloren. Aber letztendlich ist es immer noch besser, als am vermeintlichen Ende einer Tagesetappe festzustellen, dass man noch einmal 20 Kilometer weiterstrampeln muss, um doch noch einen Schlafplatz zu finden 😉



Tag 10: Über den Saurüssel ins Ennstal (21. Juli 2023)

Nach Mostviertel und Ötscherland wartete schon die nächste Region auf uns: über den Saurüssel-Pass ging es weiter ins Ennstal.



Bevor es weiterging, gönnten wir uns noch ein schnelles Frühstück mit Zimtschnecken und Fertig-Cappuccino direkt vor unserem Zelt...



... und besuchten natürlich auch noch kurz den Lunzer See. Am frühen Morgen lag der See noch ganz ruhig und verlassen vor uns. Nur ein paar Schwäne zogen ihre Runden. 



Von Lunz am See folgten wir dem Ybbstal-Radweg weiter. Dabei kamen wir unter anderem an einem ungewöhnlichen Bauwerk vorbei: einer runden Brücke über die Ybbs. Der sogenannte Ybbsdüker führt die Druckleitung des Wasserkraftwerks Opponitz über den Fluss.



Ein weiteres kleines Highlight wartete kurz vor Hollenstein an der Ybbs: der Schafkäs-Express. Der ehemalige Waggon der Ybbstalbahn wurde zu einem kleinen Museum umgebaut und erinnert an die Geschichte der alten Bahnstrecke, die - wie der Name vermuten lässt - unter anderem den Schafskäse der Region transportierte.



Hinter Hollenstein ging es dann den "Saurüssel-Pass" hinauf. Damit verabschiedeten wir uns vom Ybbstal und wechselten hinüber ins Ennstal. Und gleichzeitig in das nächste Bundesland: Oberösterreich.



Vom Saurüssel-Pass kamen wir hinunter nach Weyer und folgten noch ein kurzes Stück dem Eisenwurzenweg bis zur Eisenbahnbrücke Weyer-Anger und radelten nun am Ennsradweg weiter nach Großraming.

Gut einen Kilometer vor unserem Tagesziel erwischte uns dann doch noch der Regen. Mit einem Cappuccino to go konnten wir diese gemütlich im Carport eines italienischen Restaurants abwarten. Perfektes Timing!



Da das Wetter weiterhin etwas unbeständig blieb, entschieden wir uns in Großraming für ein Zimmer im Ennstalerhof. Und wurden gleich mehrfach überrascht: zum einen erwartete uns ein hervorragendes Abendessen und zum anderen rollte plötzlich die Ennstal Classic direkt an uns vorbei. So hatten wir einen besten Blick auf zahlreiche wunderschöne Oldtimer.



Tag 11: Am Hintergebirgsweg (22. Juli 2023)

Ein Tag voller Vorfreude, denn es wartete ein weiterer ganz besonderer Bahntrassenradweg auf uns: der Hintergebirgsradweg auf den Spuren der ehemaligen Waldbahn durch das Reichraminger Hintergebirge.



Zunächst radelten wir noch am Ennsradweg bis nach Reichraming. Dort verließen wir die Enns, bogen auf den Hintergebirgsradweg ab und tauchten damit in eine ganz andere Landschaft ein...



Der Hintergebirgsradweg führte uns hinein ins Reichraminger Hintergebirge und schnell wurde klar, warum diese Strecke als einer der schönsten Bahntrassenradwege Österreichs gilt. Die Route verläuft auf weiten Teilen entlang der ehemaligen Waldbahntrasse, die ab 1912 vor allem für den Holztransport aus dem abgelegenen Hintergebirge genutzt wurde. Die alte Bahntrasse schlängelt sich durch eine beeindruckende Naturkulisse: enge Schluchten, über Brücken und durch viele in den Fels gehauene Tunnel, die teilweise gar nicht oder nur spärlich beleuchtet sind. Und das völlig abseits vom Verkehrslärm und - für uns - mit digitaler Auszeit, denn wir hatten dort keinen Handyempfang!



Bei der Großen Klause stellten wir die Räder ab und spazierten über die Holztreppe hinunter zum Großen Bach. Dort erwartet einen ein sehenswerter Platz zwischen steilen Felswänden, klarem Wasser und der beeindruckenden Schlucht.

Doch die Große Klause ist nicht nur landschaftlich beeindruckend, sondern erzählt auch ein Stück Geschichte. Die bereits im Jahr 1604 erwähnte Triftanlage diente früher dazu, Holz mithilfe des Wassers aus den abgelegenen Wäldern des Hintergebirges talwärts zu transportieren.



Aber nicht nur landschaftlich ist das Hintergebirge ein Erlebnis, auch kulinarisch wurden wir verwöhnt. Bei der Klaushütte, einer ehemaligen Holzknechthütte, legten wir eine erste Pause ein. Die Hütte wurde 1758 als Unterkunft für Forstarbeiter erbaut und beherbergt heute ein gemütliches Gasthaus, das Radfahrer und Wanderer mit regionalen Schmankerln versorgt. Das Fleischbrot und der noch warme Topfenstrudel frisch aus dem Holzofen waren großartig!



Weiter ging es durch das Hintergebirge, vorbei an Wasserfällen und immer wieder beeindruckenden Schluchten. 



Für Reiseradler mit Zelt hält der Hintergebirgsradweg übrigens noch ein ganz besonderes Highlight bereit: den Biwakplatz Weißwasser. Mitten im Nationalpark Hintergebirge darf man hier sein Zelt aufschlagen. Inklusive Feuerstelle, Brennholz und Toilette - nur um das Trinkwasser muss man sich selbst kümmern. Eine Nacht an diesem Ort, umgeben von Wald, Bergen und dem Rauschen des Bachs, muss wohl ein ganz besonderes Erlebnis sein. 

Für uns war an diesem Tag allerdings noch nicht Schluss: die Wettervorhersage versprach noch einige Gewitter und die wollten wir nur ungern im Zelt sitzen. Also radelten wir weiter...



Kurz vor Mooshöhe begann es schließlich auch schon zu regnen. Gerade noch rechtzeitig erreichten wir das Gasthaus und hatten wieder einmal doppelt Glück: wir blieben nicht nur trocken, sondern bekamen auch noch eine wärmende Gulaschsuppe und frisch gemachte Polsterzipfl.



Nach der kulinarischen (Regen-)Pause ging es noch für ein paar Kilometer weiter. Bald überquerten wir die steirische Landesgrenze und strampelten noch rauf nach Altenmarkt bei St. Gallen. Man beachte den Gesichtsausdruck nach der 20-prozentigen Steigung 😉


  


Als wir im Gasthof Post in Altenmarkt nach einem freien Zimmer fragten, hatten wir wieder einmal Glück: ein Gast hatte kurz zuvor überraschend storniert und so bekamen wir das Luis-Trenker-Zimmer. Gemütlich, urig und mit viel alpinem Charme - genau passend als Abschluss für einen Radltag durch die Bergwelt. Auch kulinarisch wurden wir nicht enttäuscht: zum Abendessen gab es einen hervorragenden steirischen Backhendlsalat. Endlich wieder Kernöl! 😉



Tag 12: Durch das Salzatal nach Wildalpen (23. Juli 2023)

Für die weitere Strecke hatten wir uns eine ganz besondere Landschaft vorgenommen: das Salzatal. 



Zuvor lagen allerdings noch rund 12 Kilometer Ennsradweg vor uns, wobei das Wort "Radweg" in diesem Abschnitt etwas großzügig ausgelegt ist. Statt auf einem eigenen Streifen entspannt am Wasser entlangzurollen, führt die Route hier vor allem über die verkehrsreiche Straße. Glücklicherweise hielt sich der Verkehr in Grenzen - vermutlich, weil wir an einem Sonntag dort unterwegs waren.



Das ändert sich übrigens auch im Salzatal nicht: ein Großteil der Route verläuft auf der B24 durch das enge Tal. Unter der Woche teilt man sich die Straße mit deutlich mehr Verkehr, darunter auch zahlreiche Lkws und Sattelschlepper. Durch die engen, kurvigen Abschnitte und die teilweise geringe Fahrbahnbreite ist das für Radfahrer nicht immer angenehm.

Unser Tipp daher: wenn möglich, sollte man das Salzatal an einem Sonntag oder Feiertag fahren. Dann sind zwar viele Motorradfahrer unterwegs, aber zumindest bleibt man vom Schwerverkehr verschont. Denn trotz dieser Einschränkung ist das Salzatal eine beeindruckende Strecke. Die türkisblau schimmernde Salza, die steilen Felswände und die grandiose Landschaft machen jeden Kilometer zu einem Erlebnis.



In Wildalpen angekommen sehnten wir uns dann aber doch schon sehr nach Ruhe und bogen noch ab Richtung Hinterwildalpen. Das kleine Dorf liegt am Ende des Tales, umgeben von Bergen und viel Natur. Der Weg dorthin war mit weiteren Höhenmetern verbunden, aber oben angekommen wartete dafür die perfekte Erfrischung: wir tauchten unsere Zechen in den eisklaten Hinterwildalpenbach und kühlten so die müden Füße. Was für eine herrliche Erfrischung!



Wieder zurück in Wildalpen ging es noch ein kurzes Stück auf der Hochschwabstraße weiter. Zumindest bei Tunneln wie dem "Dipplbauer Lahn" gibt es für Radfahrer meist eine Ausweichmöglichkeit und man kann außen herumfahren. Vorausgesetzt natürlich, der Weg wurde nicht gerade von einem Felssturz erwischt 😉



Wir ließen den Radltag am Campingplatz Nachbagauer ausklingen. Der Campingplatz wirbt mit einem ruhigen Platz im Salzatal - genau das, wonach wir uns nach einem langen Radltag immer sehnen. 

Denn eines sollte man im Salzatal wissen: die Region ist nicht nur bei Radfahrern und Wanderern beliebt, sondern auch ein bekanntes Ziel für Rafting- und Outdoorgruppen. Je nach Campingplatz und Gruppengröße kann es abends durchaus etwas lauter werden 😉

Mittlerweile haben wir auch einige Campingplätze im Salzatal ausprobiert und können bestätigen: der Camping Nachbagauer war bisher tatsächlich der ruhigste!



Tag 13: Rauf nach Mariazell (24. Juli 2023)

Nach den vielen landschaftlichen Highlights der letzten Tage wartete nun eine weitere besondere Etappe auf uns: der Weg hinauf nach Mariazell. Seit wir 2018 den Jakobsweg nach Santiago de Compostela geradelt sind, zieht es uns immer wieder auf Pilgerwege. Nicht nur wegen der Wege selbst, sondern vor allem wegen der besonderen Atmosphäre und den vielen kleinen Geschichten entlang der Strecke.



Zuvor hieß es aber erst wieder einmal: Zelt abbauen, Satteltaschen packen und gemütlich frühstücken. Am Camping Nachbagauer bekamen wir nämlich auch noch ein herrliches Frühstück!



Weiter ging es auf dem Salzatal-Radweg. Anders als am Vortag war die Bundesstraße an diesem Morgen noch angenehm ruhig. Kaum Motorradfahrer, nur ein paar Autos und gerade einmal zwei Holzsattelschlepper begleiteten uns auf den ersten Kilometern.



Ein kurzer Halt beim Hochschwabblick durfte natürlich nicht fehlen. Ein großer Teil des Wiener Trinkwassers stammt aus den Quellen dieses Gebirges und gelangt über die II. Wiener Hochquellenleitung bis nach Wien. Über fast 200 Kilometer fließt das Wasser ganz ohne Pumpen durch die bereits von 1900 bis 1910 errichtete Leitung. Eine technische Meisterleistung, die bis heute zuverlässig funktioniert.



In Gußwerk wollten wir uns eigentlich noch einen kleinen Mittagssnack holen. Doch als wir um 12:20 Uhr vor verschlossenen Türen standen, wurde uns einmal mehr bewusst: wir sind hier halt am Land 😉

Zum Glück war unser Tagesziel Mariazell schon nah. Also kurbelten wir die letzten Kilometer und Höhenmeter hinauf. Und immer wieder tauchten bereits die Turmspitzen der Basilika auf - ein schöner Anblick, der die Vorfreude auf das Ziel mit jedem Meter wachsen ließ.



Und schon standen wir vor der berühmten Basilika, die als bedeutendster Wallfahrtsort Österreichs gilt und seit Jahrhunderten Pilger aus nah und fern anzieht. 

In Mariazell bekamen wir dann endlich doch noch eine kleine Jause und verspeisten sie - wie könnte es anders sein - auf einem Bankerl direkt vor der Basilika. Während wir dort saßen, trafen auch einige Pilgergruppen ein. Sofort fühlten wir uns an unsere eigenen Pilgerreisen erinnert. Dieses besondere Gefühl, nach vielen Kilometern ein Ziel zu erreichen, das seit Jahrhunderten von Menschen angesteuert wird, ist jedes Mal aufs Neue etwas ganz Besonderes.



Manchmal genießen wir es auf unseren Radreisen, direkt mitten im Ort zu wohnen - perfekt, um einen Ort in Ruhe zu erkunden und auch einmal einen Ruhetag einzulegen. Diesmal fiel unsere Wahl auf den Hotel Mariazellerhof der Familie Pirker, die den Ort seit Generationen prägt und auch durch die berühmte Mariazeller Lebzelterei Pirker bekannt ist. Und weil es uns hier so gut gefiel, blieben wir gleich mehrere Nächte.



Tag 14: Lebkuchentag 😉 (25. Juli 2023)

Nach den vielen Kilometern der letzten Tage blieben unsere Fahrräder wieder einmal stehen. Stattdessen freuten wir uns auf einen gemütlichen Ruhetag und starteten den Tag mit einem herrlichen Frühstück im Mariazellerhof. Besonders schön: Wurst, Käse, Gemüse, verschiedenste Eierspeisen oder auch spezielle Wünsche wie Gulasch oder Schinken-Käse-Toast werden frisch zubereitet und direkt an den Tisch gebracht. Ein Frühstück, bei dem man sich einfach nur Zeit lassen möchte!



Nach diesem gemütlichen Start in den Tag stand Sightseeing am Programm. Wir spazierten durch den Ort, schauten uns die Basilika an und bummelten durch die kleinen Läden am Vorplatz. Und natürlich bekam auch unser Tourenbuch den aktuellen Pilgerstempel 😉



Als Nächstes ging es noch zur Mariazeller Lebzelterei Pirker. Bei einem Rundgang durch die ErLebzelterei kann man einen Blick hinter die Kulissen werfen, bei der Produktion zusehen und sich natürlich auch über ein paar Kostproben freuen.



Und als ob das an Lebkuchen noch nicht genug gewesen wäre, holten wir uns vor der Basilika noch ein Lebkucheneis und ließen uns im Café unseres Hotels auch noch Apfel-Lebkuchentorte und Mariazellertorte schmecken. Ein Ruhetag ganz im Zeichen der süßen Seite von Mariazell 😉



Tag 15: Über den Schindelsattel zur Wuchtlwirtin (26. Juli 2023)

Nach unserem Lebkuchentag waren wir wieder gierig aufs Radlfahren. Und das Ziel war - wie könnte es anders sein - erneut ein kulinarisches: wir wollten unbedingt zur Wuchtlwirtin! Diesmal ganz ohne Reisegepäck, wir blieben nämlich noch eine weitere Nacht in Mariazell.



Zur Wuchtlwirtin ging es nicht auf direktem Weg, sondern mit einem kleinen Umweg über den Erlaufsee. Bei Nieselregen und viel Wind zeigte sich der See von einer ganz anderen Seite. Vor allem die Tatsache, dass wir fast ganz alleine dort waren, machte den Besuch besonders. Keine Badegäste, kein Trubel und eine ganz eigene Stimmung.



Vom Erlaufsee führte uns die Route weiter zum Schindelsattel. Über einen Schotterweg durch den Wald kurbelten wir stetig bergauf bis auf rund 1.050 Höhenmeter. Ein wirklich wunderbarer Weg mit ruhiger Atmosphäre und immer wieder schönen Ausblicken. 



Vom Schindelsattel ging es wieder runter und weiter entlang des Otterbachs zur Wuchtlwirtin. Das Gasthaus ist weit über die Region hinaus für seine tellergroßen Wuchteln bekannt und genau deshalb stand dieser Besuch schon länger auf unserer Wunschliste. Schon einmal waren wir hier vorbeigekommen, standen damals aber vor verschlossenen Türen. Diesmal war die Gaststube geöffnet und die Freude dementsprechend groß. Und wir wurden auch nicht enttäuscht: riesige Wuchteln, serviert mit Vanille- und Schokosoße. Yummi ♥



Nach der Wuchtelpause ging es am Ufer des Hubertussees entlang weiter. Der romantisch gelegene See ist übrigens kein natürlicher See, sondern wurde 1906 von der Industriellenfamilie Krupp als Stausee angelegt. Benannt wurde er nach dem heiligen Hubertus, dem Schutzpatron der Jäger. 

Heute ist der See mit seiner ruhigen Lage und der umliegenden Berglandschaft ein wunderbarer Platz zum Verweilen. Ganz so idyllisch zeigte er sich uns diesmal allerdings nicht. Der plötzliche Regenguss sorgte nämlich für einen ziemlich grauen Anblick. Der Freude tat das aber keinen Abbruch: unsere Bäuche waren voller Wuchteln, in Mariazell wartete ein gemütliches Zimmer auf uns - was macht da schon ein bisschen Regen? 😉



Über den Kreuzberg ging es schließlich wieder zurück nach Mariazell. Auf dem Anstieg findet man das "Luckerte Kreuz", einen alten Bildstock mit offenem Bogen, durch den Pilger auf ihrem Weg nach Mariazell traditionell hindurchgehen. Der Brauch soll Glück bringen und gilt als Zeichen für eine glückliche Heimkehr. Je nach Erzählung gibt es aber auch die Überlieferung, dass Ledige dadurch bald den richtigen Partner finden.

Ganz nach dem Motto "Hilft´s net, schadet´s net" parkten wir unsere Fahrräder, gingen einmal durch das Luckerte Kreuz und holten uns so unser Stückchen Glück ♥



Waschlnass kamen wir wieder in Mariazell an. Also hieß es erst einmal: uns selbst und unsere Kleidung trocken legen. Danach ließen wir den Tag mit einem weiteren Spaziergang durch den Ort ausklingen und genossen nochmals die besondere Atmosphäre dieses Wallfahrtsortes.



Tag 16: Über die Dürriegelalm (27. Juli 2023)

Der letzte Tag unserer diesjährigen Radreise! Statt über die Bundesstraße zurück ins Mürztal zu fahren, entschieden wir uns für den Weg über das "Ghackte". 



Der Weg über die Dürriegelalm ist durchgehend geschottert und teilweise auch recht steil. Deshalb trifft man hier normalerweise eher Mountainbikes und Gravelbikes als vollbepackte Reiseräder. Trotzdem würden wir diese Strecke jederzeit der Bundesstraße vorziehen. Abgesehen von ein paar Forstfahrzeugen und Hüttenwirten gibt es hier nämlich praktisch keinen Verkehr. 



Oben angekommen kehrten wir in der urigen Hütte ein und machten uns über herrliche belegte Brote und selbstgemachte Kuchen her. Auch beim WC setzt man hier noch ganz auf Tradition: etwas abseits gelegen und ganz ohne moderne Extras 😉



Nach der gemütlichen Pause auf der Hütte ging es schließlich nur noch wenige Höhenmeter hinauf zur Passhöhe. Danach hieß es nur noch: rollen lassen!



Eine letzte Pause gönnten wir uns in Neuberg an der Mürz bei der Glasmanufaktur Kaiserhof. In den historischen Mauern des ehemaligen Zisterzienserstifts kann man erleben, wie in echter Handarbeit aus flüssigem Glas besondere Kunstwerke entstehen. Und im Café bekommt man auch noch einen herrlichen Eiskaffee.



Nun fehlten nur noch wenige Kilometer bis nach Mürzzuschlag. Dort beendeten wir unsere "Runde" nach 643 Kilometern und 6.230 Höhenmetern und mit dem Zug ging es zurück nach Graz. Zufrieden, müde und mit vielen Erinnerungen im Gepäck ♥



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