Kärnten im Regen

Nach unserer diesjährigen Radreise zog es uns für ein paar weitere Urlaubstage in unsere zweite Heimat Kärnten. Rund um den Wörthersee warteten schließlich noch einige schöne Touren auf uns. Deshalb ging es diesmal auch nicht mit Bus und Bromptons über die Pack, sondern mit dem Zug und unseren großen Reiserädern nach Kärnten.

Spoiler: Daraus wurde wetterbedingt nur wenig. Statt gemütlicher Radausflüge standen plötzlich ein über die Ufer getretener Wörthersee und tagelanges Kellerauspumpen auf dem Programm. Den Kurzurlaub ließen wir uns davon trotzdem nicht verderben. Zwischen den Pump-Einsätzen blieb immerhin noch ein wenig Zeit für ein paar schöne Touren. Mal dem Regen davon, mal mitten hinein. Aber alles schön der Reihe nach... 😅


Tour 1: Von Friesach nach Klagenfurt (3. August 2023)

Mit dem Zug ging es zunächst nach Friesach. Einerseits sparten wir uns so ein weiteres Mal umsteigen, andererseits wollten wir zumindest einen kleinen Teil der Strecke selber radeln.



Von Friesach aus ging es mit unseren Reiserädern auf dem Friesacher Radweg R7 Richtung Klagenfurt. Gleich zu Beginn führte uns der Weg am Burgbau Friesach vorbei. Seit 2009 entsteht hier mit Werkzeugen und Arbeitstechniken des Mittelalters Schritt für Schritt eine Höhenburg. 



Ein paar Kilometer später wartete schon die nächste "Sehenswürdigkeit": der Friesacher Radweg führt mitten durch das Gelände der Brauerei Hirt. Normalerweise hätten wir diese Gelegenheit für eine Einkehr im Hirter Braukeller natürlich genutzt. Doch weil uns der Regen im Nacken saß, radelten wir diesmal vorbei und nahmen uns den Besuch einfach für den Rückweg vor.



Wir folgten noch ein Stück dem Friesacher Radweg R7, mit Blick auf den Hügel, auf dem die Altstadt von Althofen liegt, und bogen schließlich Richtung Längsee ab.



Oberhalb des Längsees liegt das Stift St. Georgen. Das ehemalige Benediktinerinnenkloster aus dem 11. Jahrhundert beherbergt heute unter anderem ein Hotel und ein Café. Und wie jedes Mal, wenn wir an einem Kloster oder Stift vorbeiradeln, kommt in mir die Pilgerin auf Stempeljagd zum Vorschein. Der Stempel landet zwar nicht mehr im Pilgerpass, dafür aber in unserem Tourenbuch 😉



Wenig später tauchte schon das nächste Wahrzeichen vor uns auf: die Burg Hochosterwitz. Die auf einem rund 150 Meter hohen Dolomitfelsen thronende Burg zählt zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Kärntens und ist schon von Weitem nicht zu übersehen. Ganz im Gegenteil: Mit ihren mächtigen Mauern und den 14 Burgtoren wirkt sie fast so, als wäre sie direkt einem Märchenbuch entsprungen.



Nach einem kurzen Familienbesuch wollten wir auf dem Weg nach Klagenfurt eigentlich noch weitere Sehenswürdigkeiten besichtigen: das Freilichtmuseum, den Dom und natürlich auch den Herzogstuhl. Doch das fiel im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Auf den nächsten Kilometern begann es nämlich ordentlich zu schütten - und hörte auch nicht mehr auf.



Als in Maria Saal dann auch noch ein Gewitter über uns zog, fanden wir im Torbogen des Maria Saaler Doms einen trockenen Unterschlupf und warteten den stärksten Regen ab. Auch bei diesem Wetter fanden wir den Dom beeindruckend - und vielleicht sogar ein bisschen mystisch 😉



Das Gewitter zog weiter, der Regen blieb. Nachdem weiteres Abwarten keinen Sinn mehr machte, schnappten wir unsere Räder und fuhren bei Dauerregen weiter nach Klagenfurt. Und obwohl wir so nass waren wie schon lange nicht mehr, radelten wir erstaunlich gut gelaunt durch die Innenstadt und machten natürlich auch noch den üblichen Abstecher zum Lindwurm. 

Da ahnten wir auch noch nicht, dass der Starkregen in den nächsten Stunden einfach nicht mehr aufhören würde und sich daraus ein Unwetter entwickeln sollte, das Teile Kärntens, der Südsteiermark und Sloweniens schwer treffen würde. Und auch den Keller von Walters Elternhaus unter Wasser setzen sollte.


 


Tour 2: Wörtherseerunde (6. August 2023)

Das Unwetter hatte unter anderem dafür gesorgt, dass der Wörthersee einen außergewöhnlich hohen Wasserstand erreicht hatte und in der Ostbucht sogar über die Ufer getreten war. Da der Grundwasserspiegel auch Tage danach immer noch zu hoch war, machte das Auspumpen des Kellers noch keinen Sinn. Also nutzten wir die ersten Sonnenstrahlen für eine Runde um den Wörthersee. 



Auf unserer Runde um den Wörthersee zeigte sich noch deutlich, welche Spuren das Unwetter hinterlassen hatte: überschwemmte Uferbereiche, Wasser, das aus jeder noch so kleinen Quelle schoss, riesige Lacken und sogar unterspülte Straßenabschnitte. Trotzdem setzten wir unsere Runde fort. Zuhause wartete ja schließlich auch nur ein nasser Keller auf uns 😉



Auch diesmal führte uns unser erster Weg wieder nach Maria Wörth. Die kleine Halbinsel mit der markanten Wallfahrtskirche gehört für uns bei einer Runde um den Wörthersee einfach dazu. Immerhin verbindet uns mit diesem Ort eine ganz besondere Erinnerung: 2015 gaben wir uns direkt vor der Halbinsel auf der MS Velden das Ja-Wort ♥



Am Südufer ging es weiter Richtung Velden. Nicht allen Lacken auf dem Weg wichen wir aus, manchmal mussten wir einfach durchradeln. Da kam wohl das Kind in uns wieder zum Vorschein 😉

In Velden machten wir schließlich die große Kurve und radelten auf der anderen Uferseite wieder zurück Richtung Klagenfurt.



Kurz vor Pörtschach wurde es wieder einmal Zeit für eine Regenpause. Diese verbrachten wir beim Electric Garden, einem Schaukraftwerk mit Café direkt am Wörthersee. Neben Informationen zur Wasserkraft gibt es hier auch Kaffee, Kuchen und natürlich einen schönen Blick auf den See. Wir entschieden uns für einen Eiskaffee - für ein Gefühl von Sommer 😉



Auf den weiteren Kilometern bekamen wir dann noch einmal die ganze Bandbreite an Wetter geboten: Sonnenschein, bewölkten Himmel, Regen, Gewitter und sogar einen kurzen Hagelschauer. Für ein vollständiges Wettersammelalbum fehlte eigentlich nur noch Schnee! 😉



An einem so wechselhaften Radtag freuen wir uns immer umso mehr auf eine kulinarische Belohnung. Also kehrten wir im Magnolia Steak & Wirtshaus, dem ehemaligen Joainig, zum wohlverdienten Abendessen ein und ließen uns Kärntner Nudeln und Curry schmecken.



Gut gestärkt legten wir die letzten Kilometer zurück. Der Radweg entlang des Sees und die Ostbucht des Wörthersees standen noch immer teilweise unter Wasser und auch unsere Route blieb davon nicht verschont: für ein kurzes Stück radelten wir tatsächlich durch knöchelhohes Wasser!



Tour 3: Von Klagenfurt zum Goggausee (8. August 2023)

Nach ein paar Tagen mit Wasserpumpe und Kellerchaos endlich wieder weiter! Ursprünglich wollten wir über den Drauradweg und den Radlpass zurück nach Graz radeln. Aufgrund der Unwetterschäden und der weiterhin eher unsicheren Wettersituation entschieden wir uns dann aber doch für eine andere Variante: wieder zurück nach Friesach! Allerdings nicht auf direktem Weg, sondern über Wimitztal und Gurktal. Um die stark befahrene Bundesstraße nach Feldkirchen zu vermeiden, bauten wir noch einen weiteren kleinen Umweg über den Ossiacher See ein. So wurde aus der geplanten Heimfahrt kurzerhand eine zweitägige Tour...



Die von uns gewählte Strecke hatte allerdings einen kleinen Haken: sie führte uns schon wieder auf den Wörthersee-Radweg, den wir erst wenige Tage zuvor gefahren waren. Auch jetzt - einige Tage später - stand vor dem Strandbad noch immer Wasser. Und genau dieses Wasser sorgte für ein ganz besonderes Spiegelbild.



Weiter ging es Richtung Ossiacher See, den wir ebenfalls schon von früheren Touren kannten. Immer auf die Burg Landskron zu! Die markante Burganlage ist ein beliebtes Ausflugsziel und vor allem für den schönen Ausblick auf Villach, den Ossiacher See und die umliegenden Berge bekannt.



Am Ossiacher-See-Radweg ging es auf die andere Seite des Sees. Direkt am Radweg liegt das Bike-Beach Seebad St. Andrä, ein kostenloser Badeplatz mit kleinem Strandbuffet, an dem wir natürlich nicht einfach vorbeifahren konnten. Cappuccino mit Seeblick! 



Bis zur nächsten Pause dauerte es nicht lange: wir besuchten Stift Ossiach, ein ehemaliges Benediktinerstift aus dem 11. Jahrhundert. Heute wird die Anlage nicht nur für kirchliche Zwecke genutzt, sondern ist auch ein wichtiger Kultur- und Veranstaltungsort.



Nach unserem Stopp in Ossiach hieß es wieder weiterradeln. Wir verließen den Ossiacher See, fuhren durch Feldkirchen und folgten der Strecke weiter Richtung Gurktal. 



Komoot hielt hier eine besondere Überraschung für uns parat und lotste uns auf den Hemma-Pilgerweg. Dieser entpuppte sich allerdings bald als unradelbarer Wanderweg. Umkehren war zu diesem Zeitpunkt keine Option mehr, also "wanderten" wir mit unseren Fahrrädern den teilweise recht steilen Weg durch kniehohes Gras.



Nach dieser kleinen Wanderpartie waren es nur noch wenige Kilometer bis zu unserem Tagesziel Steuerberg. Beim Familienbetrieb Hoisbauer fanden wir einen gemütlichen Platz am Campingplatz Goggausee und beim Gasthaus Hoisbauer ein kulinarisches Veröhnprogramm: Cordon bleu und zum süßen Abschluss Eispalatschinken. 



Gleich hinter dem Gasthaus wartete noch eine kleine Überraschung: der Bösensteiner Wasserfall. Nach dem Radtag mit Umwegen, Höhenmetern und kniehohem Gras war der kurze Spaziergang dorthin genau das Richtige. Ein schöner Abschluss für diesen abwechslungsreichen Tag!



Tour 4: Von Steuerberg zurück nach Friesach (9. August 2023)

Die letzte Etappe unserer kleinen Kärnten-Runde zurück nach Friesach.



Aber zuerst gönnten wir uns noch ein richtig gutes Frühstück am Goggausee. Da wir recht früh dran waren, herrschte beim Strandbad noch eine wunderbar ruhige Stimmung. Ein entspannter und äußerst köstlicher Start in den letzten Radltag!



Dann ging es weiter über Wimitzer Radweg und Piswegsattel. Die ruhige Nebenstrecke brachte uns durch die hügelige Landschaft hinüber ins Gurktal und bot dabei immer wieder schöne Ausblicke.



Natürlich besuchten wir auch kurz den Wallfahrtsort Gurk. Mit Blick auf die beeindruckende Domanlage gönnten wir uns Kaffee und Kuchen, besuchten die Hemmaquelle und natürlich holten wir uns auch wieder einen Pilgerstempel für unser Tourenbuch 😉



Ab Gurk hatten wir mal wieder einen erfrischenden Begleiter: der Regen war wieder da! Nach den vergangenen Tagen überraschte uns das aber eigentlich schon nicht mehr 😉



Könnt ihr euch noch daran erinnern, dass wir auf unserem Rückweg beim Hirter Braukeller einkehren wollten? Tja, da hätten wir wohl vorher einen Blick auf die Ruhetage werfen sollen! 😉 

Aber immerhin verließ uns der Regen kurz vor Friesach doch noch und gab uns die Chance, ein wenig zu trocknen. Und so nicht komplett patschnass in den Zug zu steigen.



Mit dem Zug ging es zurück nach Graz und damit endete unsere kleine Kärntenrunde nach 221 Kilometern und 1.850 Höhenmetern. 
Unsere geplanten Touren rund um den Wörthersee konnten wir diesmal leider nur teilweise erleben. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Und irgendwann holen wir die restlichen Strecken ganz bestimmt nach.



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