Tour de Mur 29 ½

Jedes Jahr zu Fronleichnam findet die Tour de Mur statt, ein Radumzug, der entlang des Murradweges in drei Etappen von St. Michael im Lungau über Fohnsdorf und Graz nach Bad Radkersburg führt. Nach der Absage der diesjährigen 30. Tour de Mur entschieden wir die Strecke einfach zu zweit zu fahren, allerdings in leicht abgeänderter Form: statt in St. Michael im Lungau zu starten, hängten wir noch einen Tag an und verbrachten diesen mit dem Weg zum Murursprung, um der Mur dann bis nach Bad Radkersburg zu folgen. Bereits am Nachmittag zuvor fuhren wir mit Bacher Reisen hinauf nach Muhr und bezogen ein Zimmer im Haus Maria, einer gemütlichen Frühstückspension direkt am Murradweg.






Tag 1: Zum Murursprung

Während der Busfahrt und auch bei unserer Ankunft in Muhr hatte es unentwegt geregnet und der Wetterbericht für den ersten Tag versprach eigentlich nichts Besseres. Umso glücklicher waren wir, als wir von Sonnenstrahlen geweckt wurden. Also frühstücken, schnell auf die Fahrräder und rauf zur Sticklerhütte. 





Die Strecke führte uns vorbei an zahlreichen Wasserfällen, Stauseen und schönen Ausblicken auf die noch sehr kleine Mur und ist wirklich empfehlenswert. Wer trotzdem nicht selbst raufradeln möchte, kann auch den Tälerbus nutzen und sich - und seine Fahrräder - nach oben chauffieren lassen.






Die Sticklerhütte ist eine Alpenvereinshütte an der Grenze zum Nationalpark Hohe Tauern, die bei unserem Besuch den ersten Tag wieder bewirtschaftet wurde. Bei soviel Glück mussten wir einfach zur Kaffeepause einkehren 😉





Von der Sticklerhütte führt ein äußerst idyllischer Wanderweg zum Murursprung. Also wurde die Satteltasche mit Tragegurt zum Rucksack "umfunktioniert" und schon ging es zu Fuß weiter. Obwohl sich die Sonne oft versteckte und wir manchmal sogar bei leichtem Nieselregen spazierten, gefiel uns der Weg zum Murursprung wirklich gut. Der Kontrast von grünen Almwiesen mit blühendem Enzian und einigen Schneefeldern bildete einen interessanten Kontrast. Das mit dem Schnee verbundene Schmelzwasser sorgte allerdings dafür, dass so mancher Wanderweg von kleinen Flüssen unterbrochen wurde. Ein Überqueren trockenen Fußes war nicht immer möglich und unsere Schuhe nicht unbedingt die wasserfestesten Wanderschuhe. Also Socken und Schuhe aus, durch das eiskalte Wasser waten und am anderen Ufer wieder alles anziehen. Ein herrlich erfrischendes Vergnügen 😅





Nach einer guten Stunde erreichten wir den Murursprung, normalerweise erkennbar an einem Felsen, aus dem die Quelle sprudelt, und einer Hinweistafel. Von beidem konnten wir leider nichts entdecken, beides war noch unter einer ordentlichen Menge Schnee versteckt. Falls ihr euch fragt: die Murquelle ist das linke Bächlein auf dem folgenden Foto 💚





Auf gleichem Weg marschierten wir zurück, trotzdem wirkte nun alles anders. Die Wolken ließen immer öfter Sonnenstrahlen durchblitzen und die Almwiesen wirkten dadurch noch grüner. Trotzdem freuten wir uns riesig, als die Sticklerhütte wieder vor uns auftauchte, schließlich wurde es endlich Zeit für ein verspätetes Mittagessen.





Die Sticklerhütte gilt auch als offizieller Startpunkt des Murradweges und so gibt es hier eine "Start"-Tafel mit Kilometerangaben bis nach Legrad, wo die Mur in die Drau fließt. Für uns endete der Murradweg diesmal wieder in Bad Radkersburg, in den üblichen drei Etappen der Tour de Mur würden wir der Mur nun 352 Kilometer folgen.







Tag 2: Von Muhr nach Fohnsdorf

Unser zweiter Tag und die erste Etappe der offiziellen Tour de Mur bis nach Fohnsdorf. Mit den "Bonuskilometern" von Muhr nach St. Michael im Lungau lagen so etwa 120 Kilometer vor uns. Und einige Höhenmeter, immerhin ist die erste Etappe der Tour de Mur die höhenmeterreichste der drei Tage. Aber - wie wir finden - auch der landschaftlich schönste: meist direkt an der Mur entlang, durch hübsche Städtchen und immer wieder mit Bergblick.





Über Nacht hatten sich die meisten Wolken endgültig verzogen und wir durften uns auf einen heißen Sommertag freuen. Wir ließen uns im Haus Maria noch ein ausgiebiges Frühstück schmecken, bekamen sogar noch ein Abschiedsständchen gesungen und schon ging es den Murradweg entlang in Richtung Fohnsdorf.



   


Die Plätze leer zu sehen, auf denen üblicherweise die Labestationen der Tour de Mur zu finden sind, war schon irgendwie seltsam. Vor allem, weil wir immer wieder Hinweisschilder und Streckenhinweise entdecken konnten, die scheinbar noch von den letzten Jahren übriggeblieben waren.





Kurz vor Judenburg kamen wir an einem ganz besonderen Highlight vorbei: an einem unglaublich schönen Mohnfeld. Das leuchtende Rot hatte Julia schon bei der Anreise nach Muhr vom Bus aus gesehen und gehofft, dass wir hier vorbeiradeln würden ❤


 


In Judenburg verließen wir den Murradweg und bogen nach Fohnsdorf ab. Für gewöhnlich endet die erste Etappe der Tour de Mur hier und wir hatten das Zimmer im Hotel Fohnsdorf schon lange vorher reserviert. Bei unserer Ankunft im Hotel Fohnsdorf hatten wir 122 Kilometer und 1.040 Höhenmeter zurückgelegt und belohnten uns mit einer Brettljause im hoteleigenen Café.


 
 




Tag 3: Von Fohnsdorf nach Graz

Normalerweise beginnt die zweite Etappe der Tour de Mur bei der Arena Fohnsdorf, von wo man abseits des Murradweges weiterradelt um erst in Landschach wieder auf den Murradweg zu gelangen. Diesmal hatten wir Zeit auch diesen Teil des Murradweges zu fahren.





Also radelten wir von Fohnsdorf zurück nach Judenburg, drehten eine kleine Runde durch die schöne Altstadt und folgtem dem Murradweg weiter.


    


Auch an unserem dritten Tag durften wir uns über perfektes Radlwetter freuen. Mit den Temperaturen stieg auch der Gusto auf ein wenig Abkühlung, die wir in Form von riesigen Eisbechern am Hauptplatz von Leoben finden konnten. Danke an Christa & Bernhard für diesen köstlichen Tipp!
Die weitere Strecke von Leoben nach Graz ist uns schon wohlbekannt, weswegen wir diese recht zügig durchradelten, jedenfalls abgesehen von den obligatorischen Pausen am Hauptplatz von Bruck an der Mur, beim Rastplatz mit Trinkwasser vom Hochschwab, in Ritschis Wirtshaus und in der schönen Altstadt von Frohnleiten.


  
 



In Frohnleiten hatten wir wieder die Qual der Wahl, schließlich kann man ab hier auf beiden Murseiten bis nach Graz radeln. Am linken Murufer hat man weniger Kilometer und Höhenmeter zu bewältigen, rechts gefällt uns landschaftlich besser. Nach einer kurzen Diskussion entschieden wir uns für den einfacheren Weg über Peggau und Gratkorn, schließlich hatten wir die längste Etappe der Tour de Mur durch den "Umweg" über Judenburg ohnehin bereits verlängert. Eine gute Entscheidung, immerhin zogen sich die fehlenden 30 Kilometer nach Graz nur so dahin. Irgendwann kam aber doch noch die Burgruine Gösting zum Vorschein und wir radelten durch Graz - aber natürlich nicht ohne die übliche Uhrturm-Fotopause am Grazer Hauptplatz.







Tag 4: Von Graz nach Bad Radkersburg

Kurz hatten wir überlegt die Strecke bleiben zu lassen, denn einerseits kennen wir die Route mittlerweile wirklich schon in- und auswendig, andererseits versprach der Wetterbericht den ganzen Tag über Regen. Was uns an letztes Jahr erinnerte, als es so stark geregnet hatte, dass sogar die Regenausrüstung aufgab und uns den restlichen Tag nasse Füsse beschert hatte. Trotzdem wollten wir unsere persönliche Tour de Mur vervollständigen und radelten von Graz nach Bad Radkersburg.





Nur wenige Kilometer von zuhause entfernt wurden wir das erste Mal vom Regen erwischt. Glücklicherweise hielt dieser aber nicht an - und stattdessen kam zeitweise sogar wieder blauer Himmel zum Vorschein.


   


Auf der Strecke von Graz nach Bad Radkersburg haben wir mittlerweile einige Lieblingsplätze, auf denen wir einfach immer für eine Pause anhalten, wie z.B. der Aussichtspunkt auf die Mur kurz nach Spielfeld. Ab hier bildet die Mur die Grenze von Österreich und Slowenien.


  


Auch eine Pause in Mureck hat mittlerweile Tradition: wir kehrten bei der Schiffsmühle ein und machten uns über Apfelstrudel und viiiiiiiel Vanillesauce her.


   


Und natürlich können wir auch am Murturm Gosdorf nicht einfach vorbeiradeln 😉





Wenige Kilometer später wurden wir abermals von Nieselregen erwischt, aber auch dieser hörte schnell wieder auf und so kamen wir entgegen aller Vorhersagen doch tatsächlich trocken in Bad Radkersburg an. Auch wenn die Wolken den Anschein machten, dass sich das schnell ändern würde.


  


Wir begleiteten die Mur noch bis zur Murbrücke, die Bad Radkersburg mit Gornja Radgona verbindet. Etwa 350 Kilometer durften wir die Mur von der Quelle durch Salzburg und die Steiermark bis hierher begleiten. Irgendwann möchten wir der Mur hier auch noch weiter bis zur Drau folgen. Und dann der Drau bis zur Donau. Und dann der Donau bis zum Schwarzen Meer. Aber diesmal ließen wir sie alleine weiterfließen und besuchten noch kurz den Hauptplatz für ein belohnendes Mittagessen, bevor wir zum Bahnhof und mit dem Zug zurück nach Graz fuhren. Kaum saßen wir im Zug begann es wie aus Kübeln zu schütten. Was für ein Glück! Allerdings sehen wir Bad Radkersburg langsam mit anderen Augen. Regnet es dort dauernd oder bringen wir den Regen jedes Mal mit? 😉


    


In den vier Tagen wurden wir endgültig darin bestätigt, dass wir zu zweit ziemliche Trödeltanten sind. Ein kurzer Fotostopp hier, eine kleine Aussichtspause dort, da ein schneller Kaffee, dort ein kleiner Snack und schon brauchten wir etwa doppelt so lange als letztes Jahr in der Gruppe. So wie es sich für "zwa gmiatliche Genussradler" eben so gehört ❤




Kommentare

  1. Wow! Wirklich beeindruckend! So "genussradl-mäßig" seid ihr ja gar nicht unterwegs - wenn ich mir eure Höhenmeter an einem Tag anschaue.....Wahnsinn! Wir waren da etwas langsamer unterwegs - und sind jetzt mittlerweile auch zuhause. Eure Chile-Tour muss ich mir auch noch genauer durchlesen.....klingt alles sehr interessant! LG Gitti

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    1. Liebe Gitti, die Strecke sind wir schon öfter gefahren, so einen Kilometer-/Höhenmeterschnitt haben wir sonst nicht 😉 Schade, dass wir uns verpasst haben!
      Chile waren wir nicht, wir sind bisher immer in Europa geradelt 🚴🚴‍♂️
      Liebe Grüße, Julia

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    2. Ja, wäre nett gewesen! Hab während dem Radeln nicht gscheit genug auf Eure Seite geschaut, Santiago ist mir ins Auge gestochen, da hab ich wohl falsch kombiniert ;-)

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