Berge, Seen und Me(h)er 2025 - Teil 1: Alpe-Adria-Radweg & Dolomiten
Lange haben wir hin und her überlegt, wohin unsere diesjährige Radreise führen soll. Klar war eigentlich nur, dass wir zum 10. Hochzeitstag unsere (Radl-)Flitterwochen noch einmal erleben wollten. Für die Anreise hatten wir diesmal allerdings deutlich mehr Zeit, und kurz vor dem Start kam uns dafür auch eine gute Idee: zuerst am Alpe-Adria-Radweg ans Meer zu fahren, dann eine kleine Schleife durch Norditalien zu drehen und schließlich durch die Dolomiten zurück zur Drauquelle - genau zu jenem Punkt, an dem unsere Radl-Flitterwochen vor zehn Jahren starteten: von der Drauquelle ein Stück flussabwärts, hinauf zum Weißensee, weiter zum Millstätter See und schließlich hoch auf die Gerlitzen (1.911 m). Vor 10 Jahren brachten uns und unsere Räder noch Seilbahn und Sessellift nach oben zum Gipfel - heuer wollten wir die 1.500 Höhenmeter unbedingt selber nach oben strampeln. Aber alles schön der Reihe nach...
Tag 1: Erste Kilometer auf dem Alpe-Adria-Radweg (11. August 2025)
Schon sehr früh - um 5:19 Uhr - starteten wir mit dem Zug von Graz nach Villach. Trotz der frühen Stunde waren wir voller Vorfreude auf die bevorstehende Radreise und konnten es kaum erwarten, die ersten Kilometer auf dem Alpe-Adria-Radweg zu fahren. Schon 2014 waren wir auf dieser Strecke unterwegs und hatten uns hier endgültig in das Radreisen und Genussradeln verliebt ♥
Von Villach starteten wir auf dem Alpe-Adria-Radweg zunächst entlang der Gail und schließlich über Arnoldstein hinauf zur Grenze - und schon radelten wir durch Italien! Noch ein paar letzte Höhenmeter und bald erreichten wir Tarvis, einen Ort voller Kindheitserinnerungen. In unserer Kindheit war es üblich, hierher zum Einkaufen zu kommen oder auf der Durchfahrt Richtung Venedig eine kleine Rast einzulegen.
Ab Tarvisio waren wir auf dem berühmten Bahntrassenradweg der ehemaligen Pontebbana-Bahn unterwegs. Wo früher Züge durch die Alpen dampften, rollt man heute gemütlich auf einem perfekt asphaltierten Radweg. Über alte Eisenbahnbrücken und durch beleuchtete Tunnel. Apropos "rollen": mit Tarvis hat man auch beinahe alle Höhenmeter des Alpe-Adria-Radwegs hinter sich gebracht. Bis Venzone geht es praktisch nur noch bergab und später warten nur noch ein paar kleinere Hügel zwischen den Alpen und dem Meer.
Bereits kurz nach Mittag erreichten wir unser geplantes Tagesziel in Pontebba. Weil wir in der Haupturlaubszeit unterwegs waren und mit deutlich mehr Andrang am beliebten Alpe-Adria-Radweg gerechnet hatten, hatten wir schon vorab ein Zimmer hier reserviert. Und wir hatten bewusst nicht mehr Kilometer eingeplant, weil wir die wunderschöne Strecke in aller Ruhe genießen wollten. Wer hätte ahnen können, dass wir trotz der vielen Fotostopps und des gemütlichen Trödelns so schnell sein würden? 😉
So starteten wir besonders entspannt in unseren Radlurlaub: bereits am frühen Nachmittag ließen wir die Fahrräder stehen, gönnten uns eine traumhafte Lasagne und erkundeten noch ein wenig Pontebba. Neben einigen historischen Gebäuden ist vor allem der alte Grenzstein eine Besonderheit: er markierte bis 1918 die Grenze zwischen Italien und Österreich und ist heute ein beliebtes Fotomotiv.
Tag 2: 107 Kilometer bei 38 Grad (12. August 2025)
Weiter ging es auf dem Alpe-Adria-Radweg entlang der ehemaligen Bahntrasse der Pontebbana-Bahn mit ihren sehenswerten Brücken, Galerien und meist beleuchteten Eisenbahntunneln. Letztere waren jedes Mal eine willkommene Abkühlung, denn die Sonne stand bereits hoch am Himmel - und es war klar: ein heißer Tag auf dem Fahrrad lag vor uns!
Auch wenn wir gerade erst losgerollt waren, legten wir beim Bahnhof von Chiusaforte bereits die erste Pause ein. Der ehemalige Bahnhof ist heute ein Café und es ist einfach großartig hier mit den Fahrrädern „einzurollen“ wie einst die Züge. Auf dem ehemaligen Bahnsteig saßen wir an einem Kaffeetisch und genossen einen herrlichen italienischen Cappuccino, bevor wir uns wieder in die sommerliche Hitze Italiens auf den Weg machten.
Die weitere Strecke bis Venzone war anders als in unserer Erinnerung. Damals waren noch nicht alle Eisenbahntunnel asphaltiert und befahrbar, wir mussten die Fahrräder teilweise über Stufen tragen und fuhren kurz auch auf grobschottrigen Wegen. Mittlerweile ist die Strecke vollständig ausgebaut und ein echter Genuss! Erst kurz vor Venzone verließen wir den Bahntrassenradweg und mussten für einen kurzen Abschnitt auf eine "normale" Straße ausweichen.
In Venzone legten wir einen Stopp ein und spazierten durch die kleine Altstadt mit ihren engen Gassen und historischen Gebäuden. Die Stadt wurde 1976 bei einem schweren Erdbeben stark zerstört, aber liebevoll wieder aufgebaut. Während wir durch die Stadt schlenderten, fiel uns plötzlich ein: hatten wir vor 11 Jahren nicht gesagt, dass wir beim nächsten Mal unbedingt hier übernachten wollten? Da es dafür aber noch viel zu früh gewesen wäre - vor allem, weil wir am Vortag schon eher kilometerfaul gewesen waren - setzten wir unseren Weg doch wieder fort.
Die weitere Strecke nach Udine verlief anders als in unserer Erinnerung. Rückblickend hätten wir beide behauptet, dass es ab Venzone nur noch gemütlich in der Ebene dahin ging... Tatsächlich gab es aber doch noch den einen oder anderen Hügel zu erstrampeln. Bei einem dieser Anstiege bemerkten wir plötzlich einen Motorradfahrer mit Beiwagen, der uns bergauf folgte. Kurz bevor wir die Kuppe erreichten, überholte er uns, hielt an, öffnete seinen Kofferraum und bot uns doch tatsächlich Getränke an! Die nächste halbe Stunde unterhielten wir halb auf Deutsch, halb auf Italienisch (Schulitalienisch sei Dank!). Eine wunderbare Begegnung, die uns noch lange in Erinnerung bleiben wird!
In Udine war recht viel los und bald entdeckten wir auch den Grund: am folgenden Tag fand hier das UEFA‑Supercup‑Finale zwischen Paris Saint‑Germain und Tottenham Hotspur statt! Glücklicherweise ließ uns die Vorfreude aufs Meer noch ein paar Kilometer weiter strampeln, sodass wir diesem Trubel schnell entkommen konnten. Trotzdem besuchten wir noch kurz den Supercup-Pokal (zumindest die vergrößerte Version, für das Original hätten wir uns anstellen müssen 😉) und gönnten uns ein erfrischendes Eis.
Die 25 Kilometer von Udine nach Palmanova waren schließlich genau so, wie wir sie in Erinnerung hatten: flach, staubig und weit und breit NICHTS. Bei mittlerweile brütenden 38 °C half also nur: einfach strampeln und durch!
Nach 107 Kilometern erreichten wir endlich Palmanova. Die ehemalige venezianische Festungsstadt wurde sternförmig angelegt und ist auch heute nur durch beeindruckende Stadttore zu erreichen. Wir fuhren durch die Viale San Marco und gleich zum riesigen Platz in der Stadtmitte, der einst als Truppensammelplatz diente, bevor wir schließlich unser Hotel, das Hotel Roma, ansteuerten. Vor 11 Jahren hatten wir hier auch schon übernachtet - allerdings war es kaum wiederzuerkennen: alles modernisiert, hell und freundlich.
Gleich gegenüber bekamen wir einen Tisch im Ristorante da Baffo und belohnten den langen Radltag mit traumhaften Pizzen. Schnell merkten wir, dass um uns herum fast nur Englisch gesprochen wurde - offenbar übernachteten viele Tottenham-Fans fürs Supercup-Spiel in Palmanova.
Tag 3: Endlich ans Meer! (13. August 2025)
Nur noch etwa 30 Kilometer trennten uns vom Meer! Voller Vorfreude ging es durch das südliche Tor Borgo Aquileia raus aus Palmanova. Gleich hinter dem Tor machte der Alpe-Adria-Radweg einen kleinen Schwenk über die Festungshügel auf einem schmalen Singletrail. Ein umgefallener Wegweiser machte die paar Meter zusätzlich abenteuerlich 😉
Der weitere Radweg war wieder schön ausgebaut und bald tauchte Aquileia vor uns auf. Die kleine Stadt war einst eine der größten und reichsten Städte des Römischen Reiches und gehört heute zum UNESCO‑Weltkulturerbe. Besonders sehenswert sind die archäologischen Ausgrabungen mit Resten des römischen Forums und die mächtige Basilika mit ihrem erhaltenen Mosaikboden. Für uns gab es jedoch nur einen Cappuccino und dann ging es gleich weiter Richtung Meer.
Und schon standen wir am Meer! Vor 11 Jahren erschien uns die Strecke noch wie eine echte Weltreise und nun hatten wir sie ohne größere Anstrengung in nur zweieinhalb Tagen zurückgelegt. Trotzdem war die Ankunft wieder etwas ganz Besonderes: aus eigener Kraft ans Meer zu radeln, ist wirklich jedesmal ein Erlebnis ♥
Von Grado trennten uns nun nur noch wenige Kilometer über die Landbrücke. Bis kurz vor die Stadt führt ein schöner Radweg; erst kurz vor Grado muss man dann auf die recht enge, verkehrsreiche Straße über die Brücke wechseln. Angeblich wird aber auch dort ein Radweg oder eine Radbrücke geplant.
Dieser stressige Abschnitt ist jedoch schnell vergessen, sobald man durch Grado radelt: Die Stadt verzaubert mit seiner schönen Altstadt und gemütlicher Atmosphäre. Diesmal blieben wir nicht in der Altstadt, sondern fuhren noch weiter nach Pineta, wo wir uns mit unserer Familie trafen.
Den restlichen Tag genossen wir einfach unseren gemeinsamen Urlaubstag: Pool, Planschen, viel Lachen und ein herrliches Abendessen im Ristorante Ai Pioppi mit hausgemachten Spaghetti Carbonara und Pizza Angelica. Dolce far niente ♥
Tag 4: Ruhetag in Grado (14. August 2025)
Und weil wir mit Nichtstun noch nicht fertig waren, blieben wir einfach noch einen weiteren Tag in Grado 😉
Tag 5: Zu Ferragosto nach Lignano (15. August 2025)
Nach dem gemütlichen Tag am Strand ging es weiter entlang der Mediterranean Route (EuroVelo 8) von Grado nach Lignano. Eigentlich hatten wir gehofft, dort öfter einmal direkt an der Küste entlangzufahren oder zumindest einen Blick aufs Meer zu erhaschen. Wie sich jedoch herausstellte, führt der Radweg häufig über staubige und endlos gerade Schotterstraßen: ewig geradeaus - abbiegen - ewig geradeaus - abbiegen - und immer so weiter...
Gegen Mittag wurde diese Eintönigkeit schließlich von der Ankunft in Marano Lagunare unterbrochen. Anlässlich von Ferragosto - einem der wichtigsten Feiertage Italiens - befand sich die kleine Stadt am Meer in Feierlaune. Am Hafen wurde ein Fischfest gefeiert, aus einigen Lokalen tönten gesungene Lieder und es herrschte buntes Treiben. Wir ließen uns kurz vom italienischen Feiertagsgefühl anstecken und zogen wieder weiter.
Mittlerweile zeigte das Thermometer deutlich über 40 Grad. Da wir nicht wussten, wie oft wir auf der weiteren Strecke Trinkwasser bekommen würden, kauften wir mehr Wasserflaschen als üblich und wickelten sie in nasse Handtücher. Und auch wenn das verhinderte, dass sich der Inhalt innerhalb kürzester Zeit zu "Tee" verwandelte, freuten wir uns trotzdem jedes Mal riesig über den Anblick eines Trinkwasserbrunnens, füllten alle Flaschen auf und genossen kaltes Wasser. Und öfter als sonst suchten wir schattige Plätze für eine kleine Verschnaufpause.
Diese Hitze war übrigens auch der Grund, warum wir auf dieser Reise unser Zelt kaum nutzten und stattdessen lieber in Pensionen und Hotels einkehrten. Wenn man bei über 40 Grad durch Norditalien radelt, freut man sich abends ganz besonders über eine Klimaanlage 😉
Erst kurz vor Lignano führte uns der EuroVelo 8 wieder direkt ans Meer. Mit einem beeindruckenden Blick auf die Halbinsel von Lignano - erkennbar an den unzähligen riesigen Hotelburgen - und immer am Wasser entlang ging es nach Lignano Sabbiadoro. Wegen des Feiertags waren die meisten Hotels dort ausgebucht, wir fanden aber tatsächlich noch ein kleines Zimmer ganz in der Nähe des berühmten Sandstrands Lido del Sole.
Dass wir ausgerechnet diese Touristenhochburg für den Feiertag gewählt hatten, lag daran, dass wir unbedingt das berühmte Feuerwerk am Strand sehen wollten. Leider entpuppte sich dieses als "Drohnenshow", weil man den Gästen mal etwas anderes bieten wollte. Aber immerhin konnten wir Feuerwerke aus der Ferne sehen: von Grado und Bibione.
Viel spannender war allerdings der Stromausfall, der die halbe Nacht die Stadt lahmlegte. In der Dunkelheit mit all den Menschen vom Strand nach Hause zu laufen, fühlte sich tatsächlich ein wenig gruselig an, aber zum Glück waren wir nicht in einem Hotellift eingesperrt!
Tag 6: Von Lignano nach San Donà di Piave (16. August 2025)
Außer ein paar Geschichten im Frühstücksraum erinnerte nichts mehr an den nächtlichen Stromausfall. Trotzdem freuten wir uns schon sehr auf Ruhe fernab der großen Touristenstädte und radelten wieder weiter. Kaum aus der Stadt draußen, wartete allerdings schon die nächste Überraschung auf uns: der EuroVelo 8 führt hier über eine drehbare Brücke über einen Kanal und dieser gehörte für die nächsten Stunden dem Bootsverkehr. Für uns bedeutete das leider einen Umweg über zwei stark befahrene Autobrücken, bevor wir endlich wieder auf den Radweg zurückkamen.
Umso idyllischer präsentierte sich der weitere Weg auf der Mediterranean Route. Auf ruhigen Schotterwegen ging es durch Naturschutzgebiete und die Lagunenlandschaft. Kaum Verkehr, viel Grün und - nicht zu vergessen - die Hitze, die uns auch an diesem Tag wieder begleiten sollte.
Daher nutzten wir auch an diesem Tag jede Gelegenheit zur Abkühlung! Statt Kaffeepausen gab es Eispausen und wann immer möglich jede Menge eiskaltes Wasser.
Um weitere Touristenorte wie Caorle oder Jesolo zu vermeiden, verließen wir in La Salute di Livenza den EuroVelo 8 und kürzten querfeldein ab. Glücklicherweise weiterhin auf ruhigen Radwegen und entlang von Kanälen.
Unsere Querfeldein-Route führte uns zu unserem Etappenziel San Donà di Piave, eine hübschen Stadt mit beeindruckenden historischen Plätzen. Wir nutzten die Altstadt für einen abendlichen Spaziergang und ließen den heißen Radltag mal wieder mit einer herrlichen Pizza ausklingen. Deliziosa Italia ♥
Tag 7: Am München-Venedig-Radweg (17. August 2025)
Nach einigen Tagen am Meer ging es für uns nun wieder Richtung Norden: hinein in die Ebene Richtung Treviso und schließlich zurück in die Berge. Unser Weg führte uns dabei auch entlang der "Hemingway‑Route" an der Piave-Frontlinie, benannt nach dem amerikanischen Schriftsteller Ernest Hemingway, der während des Ersten Weltkriegs hier stationiert war.
Kurz vor Treviso radelten wir durch das Naturschutzgebiet entlang des Fiume Sile, einer der letzten unverfälschten Flüsse Europas. Eigentlich wollten wir mit einer Fähre auf die gegenüberliegende Seite wechseln, wo wir eine noch ruhigere und schönere Landschaft erwartet hatten. Doch von der Fähre war weit und breit leider nichts zu sehen - also ging es auf direktem Weg in die Stadt Treviso.
Treviso ist eine wunderschöne Stadt mit Kanälen, engen Gassen und historischen Plätzen. Wäre es nicht erst zu Mittag gewesen und hätten wir nicht noch Lust auf weitere Kilometer gehabt, wären wir gerne einfach dort geblieben, um die Atmosphäre noch weiter zu genießen.
Aber immerhin gönnten wir uns dort eine kleine Mittagspause, fanden einen Tisch im La Proseccheria ai Soffioni und ließen uns Spezialitäten wie Crostini mit Prosciutto und Mozzarella, Beef Tatar und gefüllte Kürbisblüten schmecken. Irgendwann kommen wir bestimmt noch einmal hierher und dann bleiben wir garantiert länger!
Wir ließen Treviso hinter uns und radelten weiter nach Conegliano. Mit jedem Kilometer wurde es hügeliger und die Berge kamen immer näher. Nach den eher laaaaangweiligen Radletappen in der Ebene war klar: langsam aber sicher ging es endlich wieder zurück Richtung Alpen.
Kurz vor der Altstadt von Conegliano radelten wir an der "Boutique del Gelato" vorbei. Und auch wenn wir uns eigentlich schon sehr auf die Klimaanlage im Zimmer freuten, war die sommerliche Abkühlung in Form von Eis einfach noch verlockender.
Die Begeisterung für Conegliano hielt aber auch über diese erfrischende Ankunft hinaus: die Stadt selbst überraschte uns mit einer wunderschönen Altstadt und ganz viel italienischem Flair. Unweit vom Altstadtkern hatten wir ein Zimmer im B&B delle Rose reserviert, einer privat geführten und sehr gemütlichen Unterkunft. Nach dem herzlichen Empfang machten wir uns gleich wieder auf den Weg in die Altstadt, schlenderten durch die Gassen, ergatterten gerade noch den letzten Tisch im Ristorante Al Cantonel und ließen den Abend schließlich ganz entspannt mit einem Aperol bei I Ragazzi di Via direkt am Piazza Cima ausklingen.
Tag 8: Endlich wieder bergauf! (18. August 2025)
Im B&B Delle Rose erwartete uns ein gemütliches Frühstück mit dem berühmten "Spezialcappuccino", von dem wir in den Online-Bewertungen schon gelesen hatten: mit Kakao, Schokosoße, Marshmallows, Schlagobers und Keksen!
Danach wurde es auch schon wieder Zeit, uns zu verabschieden. Schon nach kurzer Zeit ließen wir die Ebene hinter uns und strampelten hinein ins Prosecco-Anbaugebiet Veneto, markiert durch Tafeln wie "Strada del Prosecco". Die Landschaft wurde nun immer hügeliger und mit jedem Kilometer wuchs die Vorfreude auf die bevorstehenden Bergetappen.
Wir radelten durch die zauberhafte Altstadt von Vittorio Veneto, eine hübsche Stadt am Fuße der südlichen Alpen. Im Ersten Weltkrieg spielte der Ort eine wichtige Rolle: Bei der Schlacht von Vittorio Veneto 1918 endeten hier die Kämpfe zwischen Italien und Österreich-Ungarn, woran noch einige Schautafeln in der Altstadt erinnern. Geschichte ist allgegenwärtig in historischen Plätzen, verwinkelten Gassen und beeindruckenden alten Gebäuden. Umso schöner ist es, dass heute - abgesehen von diesen wenigen Tafeln - vom Krieg nichts mehr sichtbar oder spürbar ist.
Ab Vittorio Veneto ging es dann wirklich nur noch bergauf zum höchsten Punkt des Tages: dem Sella di Fadalto. Mit gerade einmal 489 m so überraschend niedrig, dass wir nach all dem Kurbeln wirklich lachen mussten, als wir das "Pass"-Schild erreichten.
Vom Sella di Fadalto ging es für uns weiter zum Lago di Santa Croce, dem zweitgrößten See Venetiens, der recht beliebt bei Seglern und Windsurfern ist. Möglicherweise deswegen oder auch wegen Ferragosto waren die Unterkünfte rund um den See recht ausgebucht, daher nahmen wir einen kleinen Umweg in Kauf und bogen nach Puos d’Alpago ab, wo wir glücklicherweise ein Zimmer in der Locanda San Lorenzo fanden. Die Unterkunft entpuppte sich überraschenderweise als Michelin‑Sterne‑Restaurant und kurz zögerten wir, ob wir in unserer verschwitzten Fahrradkleidung den Weg durch das vollbesetzte Restaurant zur Rezeption wagen sollten. Zum Glück völlig unbegründet: wir wurden freundlich empfangen und die großzügige Fahrradabstellhütte zeigte uns, dass wir hier auch nicht die ersten Radler waren. Statt uns am Abend Crispy Snails oder andere Gourmet-Kreationen zu gönnen, entschieden wir uns nach all den Schlemmertagen dann aber trotzdem für etwas Einfacheres und holten uns beim Laden nebenan Paninis mit Mortadella.
Tag 9: Durch die Dolomiten (19. August 2025)
Umso mehr genossen wir am nächsten Morgen das Frühstück in der Locanda San Lorenzo: herrliche regionale Spezialitäten und frisch gebackene Kuchen und Cornetti. Einfach perfekt!
Auf die weitere Strecke hatten wir uns schon wahnsinnig gefreut: am München-Venedig-Radweg ging es endlich durch die Dolomiten. Meist abseits viel befahrener Straßen und landschaftlich einfach ein Traum!
Leider wird der Weg geprägt von vielen verlassenen Häusern und Einkehrmöglichkeiten sind eher Mangelware. Erst in Ospitale di Cadore fanden wir die Bar Sport und stürzten uns auf Paninis und eisgekühlte Getränke 😅
Auch auf Radfahrer trafen wir auf der Strecke eigentlich kaum. Was uns sehr überraschte - gilt der München-Venedig-Radweg doch als einer der beliebtesten Fernradwege. Nur eine Bikepacking-Gruppe kam uns entgegen und rief uns natürlich zu, dass wir "in die falsche Richtung" unterwegs seien 😄
Die letzten Kilometer des Tages radelten wir schließlich bereits auf dem Bahntrassenradweg der Dolomitenbahn, auch bekannt als "der lange Weg der Dolomiten". Die Bahn wurde im Ersten Weltkrieg aus militärischen Gründen gebaut und später für den Personenverkehr zu Wintersportorten wie Cortina d’Ampezzo genutzt. In den 1960ern wurde der Betrieb eingestellt und 2006 entstand daraus der heutige wunderschöne Bahntrassenradweg durch die Berge.
Tag 10: Genussradler im Nebel (20. August 2025)
Ausgerechnet am schönsten Abschnitt des Dolomitenradwegs änderte sich das Wetter von strahlend blau zu neblig regnerisch. Nur zu gerne hätten wir die Schlechtwetterfront einfach abgewartet, um bei schöneren Bergblicken weiterzuradeln. Dagegen sprach jedoch die Vorhersage für die kommenden Tage: rund um die Dolomiten war viel Regen angekündigt und nachdem es erst im Juni zuvor Murenabgängen gegeben hatte, wollten wir nicht riskieren, dass uns der Weg durch die Dolomiten womöglich versperrt werden würde. Also machten wir das Beste daraus und radelten weiter. Trotz der eingeschränkten Sicht ein unvergessliches Erlebnis: der Radweg auf der alten Bahntrasse und durch beleuchtete Eisenbahntunnel, die Berglandschaft (wenn sie sich mal zeigen wollte), die frische Luft und das Gefühl, mitten in den Dolomiten unterwegs zu sein, machten jeden Regentropfen wett.
Und wir hatten zu Beginn wieder einmal perfektes Timing: kaum begann der erste größere Regenguss, rollten wir beim ehemaligen Bahnhof von Vodo di Cadore ein, der heute als Café dient. Dort genossen wir einen Cappuccino nach dem anderen, bis der Regen wieder halbwegs nachließ.
Danach war der Bahntrassenradweg von dichten Wolken umhüllt. Und auch wenn das der Landschaft einen mystischen Touch verlieh: ein klarer Bergblick wäre uns eigentlich lieber gewesen! 😉
Kurz vor Cortina d’Ampezzo erreichten wir die Stelle, an der im Frühjahr nach starkem Regen ein Murenabgang den Weg lahmgelegt hatte. Entlang der Straße und des Radwegs standen Ampeln, die anzeigten, ob der Abschnitt befahrbar war, und Infotafeln erklärten, was zu tun ist, sollten Sirenen eine weitere Rutschung melden. Das sorgte für ein leicht mulmiges Gefühl, also: einfach schnell durch!
Das Bergpanorama rund um Cortina d’Ampezzo gilt als besonders beeindruckend. Und auch wenn wir davon kaum etwas zu sehen bekamen, wollten wir uns wenigstens den Ort ansehen und für eine kleine Pause nutzen. Womit wir nicht gerechnet hatten, war, wie gut besucht der kleine Ort sein würde: Stau hinein und hinaus, und überall in den engen Gassen drängten sich Menschen. Mit viel Glück und etwas Wartezeit konnten wir einen kleinen Tisch in der Bar Dolomiti ergattern, ließen uns dort Tramezzini und Cappuccino schmecken und beobachteten das Getümmel.
Während wir dort saßen, begann es übrigens wieder zu nieseln. Und ein Blick auf den Regenradar verriet: für den Rest des Tages würde das auch so bleiben! In Cortina bleiben wollten wir aber auf keinen Fall: erstens - wie oben schon erwähnt - würde das Wetter in den kommenden Tagen nur schlechter werden, zweitens sorgte Ferragosto für Zimmerpreise jenseits von Gut und Böse, und drittens wollten wir einfach nur noch raus aus dem Gewusel.
Also setzten wir unseren Weg auf dem Dolomitenradweg fort. Ab Cortina führt er vorwiegend auf Schotterwegen, die moderat, aber stetig bergauf zum höchsten Punkt des Dolomitenradwegs und gleichzeitig zum bisher höchsten Punkt unserer Reise führen: dem Passo Cimabanche mit 1.530 m Seehöhe. Dort erwischte uns ein weiterer Platzregen, den wir auch wieder halbwegs trocken im Gasthaus an der Passhöhe aussitzen konnten. Im Nachhinein war das Aussitzen aber relativ sinnlos, denn auf den kommenden Kilometern runter nach Toblach wurden wir endgültig richtig eingeregnet.
Trotz des Regens stand es für uns außer Frage, einen weiteren kleinen Umweg ins Toblacher Feld zu machen. An der Drauquelle dort im Wald können wir einfach nicht vorbeifahren, schließlich war dies der Startpunkt unserer (Radl-)Flitterwochen 2015. Und nun auch der Startpunkt unserer "Flitterwochen 2.0", denn ab sofort befanden wir uns auf unserer Jubiläumstour entlang der damaligen Strecke: den Drauradweg hinunter, hinauf zum Weißensee, weiter zum Millstätter See und schließlich hoch auf die Gerlitzen. Mit einigen der traumhaften Hotels von damals und ganz vielen Erinnerungen im Gepäck ♥
Von der Drauquelle rollten wir runter nach Innichen und falls wir gehofft hatten, dass es wegen des Regens diesmal etwas leerer sein würde, hatten wir uns gründlich geirrt: zusätzlich zu den vielen Menschen waren nun auch jede Menge Regenschirme unterwegs. Und Plätze in den hübschen Cafés oder Gasthäusern Mangelware. Ein weiterer Platzregen mit Gewitter zwang uns trotzdem zu einer weiteren Pause. Unter dem Vordach der Pfarrkirche warteten wir, bis der stärkste Regen vorbei war.
Nun waren es nur noch wenige Kilometer bis zur österreichischen Grenze. Wir checkten im Schwarzen Adler in Sillian ein, den wir auch schon von einer früheren Reise kannten und freuten uns auf unser Abendprogramm: Trockenlegen von uns und unserer Ausrüstung. Und Aufwärmen! Was für ein Kontrast zu den Radltagen mit über 40°C 😅
Dass wir gerade auf der Strecke schlechtes Wetter erwischt hatten, auf die wir uns eigentlich am meisten gefreut hatten, war zwar schade. Trotzdem hatten wir mit unserer Weiterfahrt die richtige Entscheidung getroffen: in den kommenden Tagen hörten wir immer wieder von Unwettern und sogar Überschwemmungen in der Region.
Und trotz des Wetters fanden wir die Strecke unglaublich schön. Sie kommt somit definitiv auf unsere Liste der Wege, die wir nochmals bei hoffentlich schönerem Wetter radeln wollen. An dieser Stelle sei aber eines erwähnt: Auch die Strecke von Toblach nach Sillian steht auf dieser Liste! Schon so oft sind wir hier entlanggefahren, doch die Berge konnten wir bisher nie richtig sehen. Unserer Radlaune tut dies aber keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil: gerade die Strecken, auf denen wir so richtig "eingesaut" wurden, sind meist die, die uns am lustigsten in Erinnerung bleiben 😅
Fortsetzung folgt...
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